Translator:



Der Dianabrunnen


[1] Im Garten des Herrn Rentners Temme (Wollenweberstraße 66) lagen seit langem skulptierte Steinstücke im Charakter der Renaissancearbeiten am Kaiserhaus, die der Besitzer dem Andreasmuseum zur Verfügung stellte.

 

 

Sie wurden bei der Reinigung als Szenen aus Ovids Metamorphose erkannt und als Teil eines Brunnens bestimmt, der nach Notizen von Losius noch im Anfang der 18. Jahrhunderts unversehrt im Ludekenhofe stand, wie aus der Mitteilung sowohl des Standortes als der beiden obersten Zeilen der Inschrift mit Sicherheit hervorgeht.

Regierungs- und Baurat Mohrmann (Oppeln) machte seinerseits Skizzen zu einer Wiederherstellung, zu der Bildhauer Helfried Küsthardt ein Modell lieferte. Dem Verfasser (A. Zeller) wurde 1907 der Auftrag, diese Reste nochmals zu untersuchen und das von ihm hergestellte neue Projekt, zu dem der inzwischen beim Bau der Schule am Kaiserhaus (Mädchen-Mittelschule) gemachte Fund einer ebenfalls zum Brunnen gehörende Herme, welche als Schwelle eines benachbarten Schuppens sich unversehrt erhalten hatte, eine willkommene Ergänzung bot, konnte mit Gewißheit die Wiederherstellung im Sinne der ursprünglichen Erscheinung sichern. Die Ausführung erfolgte im Jahre 1909.

 

Der Brunnen besteht aus einem runden Untersatz (Brunnenrand), darauf stehen drei Hermen, darüber lagert ein Kranzgesims mit reicher ornamentaler Zier; das ganze wird bekrönt von drei Bogen mit auf Seepferden reitenden Delphinen, welche auf Muscheln blasen. In der Mitte steht die (neue) Figur des Neptuns als Beherrscher der Fluten. Den Brunnenrand zieren drei glücklicherweise erhaltene Reliefs: Aktäons Belauschung von Diana im Bade, Hero und Leander und Rettung Arions durch den Delphin. Auf den Sockeln der Pfeiler: Pygmaleon und Galathea, die Verwandlung der Nymphe Syrinx, welche Pan liebte, in Schilfrohr aus dem sich der Sage nach der Waldgott durch aneinanderfügen von sieben Rohrstengeln die Hirtenflöte – Syrinx genannt – herstellte; endlich Narziß, sein Bild im Brunnen bewundernd.

 

Auf dem Architrav die nachstehenden Inschriften:

 

A PVRO RVRA DEFLVIT AQVA

PARCITE – DVM – PROPERO –

MERGITE – DVM – REDEO

 

Sowie auf einem neu ergänzten Wiederherstellungsnotiz:

 

AZ -      RENOVATVM – A D – 1908       HK –

 

Der neue Neptun ist modelliert von Frau Küsthardt-Langenhan.

Von den drei Steinbogen, welche diese Figur tragen, sind die Löwenköpfe an dem Architrav sowie die Leiber der Seepferde einschließlich der Unterkörper der Putten, größtenteils alt, so daß auch hier die Wiederherstellung streng im Anschluß an die historische Überlieferung erfolgen konnte.

[-] Der Dianabrunnen wurde wahrscheinlich durch Dr. Lüdeke im 16. Jahrhundert angefertigt und stand neben dem Kaiserhaus auf dem sogenannten Lüdekenhof vor der ehem. Mädchen-Mittelschule

Die Skulpturen dieses Brunnens waren hervorragende Werke der deutschen Renaissance. Ein Teil seiner Abbildungen wiederholte sich an dem reichverzierten Erker des Kaiserhauses. Ergänzende Teile wurden später durch den Bildhauer H. Küsthardt ergänzt und erneuert.

Der Brunnen stand auf einem runden Sockel, dreiteilig mit Flachreliefs in den Füllungen sowie in den Pfeilersockeln. Die Pfeiler, als Hermen gebildet, trugen den Architravkranz und über 3 Konsolen 3 Bogen mit Putten auf Delphinen und auf dem Scheitel Neptun stehend.

Der Architrav (ein auf einer Stützenreihe ruhender Horizontalbalken) trug die Inschriften: "Renovatum 1908; Parcite dum propero, mergite dum redeo; A puro pura defluit aqua".

Die zugehörigen Bilder am Sockel stellten folgendes dar: Orpheus auf dem Delphin, Hero und Leander, Actaeon mit Diana.

Die Reliefs waren z.T. verwandt mit denen am Erker des Kaiserhauses. Als Vorlage dienten z.T. Holzschnitte von Solis bzw. Symeoni vom Jahre 1559. 

Ansichtskarten

Foto/Bild

Text-Quelle:

 

 

Bildquelle:

- Ansichtskarten

- Foto / Bild

[1]  A. Zeller: Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover; Band 2, Kapitel 4; Selbstverlag, Hannover 1912; Seite 388f

[-] 

 

Privatbesitz H.-J. Brand

[1] A. Zeller: Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover; Band 2, Kapitel 4; Selbstverlag, Hannover 1912; Seite 388