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Restaurant "Altdeutsches Haus"


(1) Das 1604 als Wohnhaus errichtete Gebäude stand in der Osterstraße Nr. 7 (Eckhaus). Um 1880 wurde es in ein Wohn-/Gasthaus umgebaut. Unter den Nationalsozialisten wurde das Lokal Stammlokal der SS. Dort wurde unter anderem der Synagogenbrand vom 9.11.1939 beschlossen. 

Das 4stöckige Eckhaus bildete mit einer Eigentümlichen Zusammensetzung von 3 Giebeln an der Ecke eine Besonderheit der Hildesheimer Gebäude. 

Das Gebäude war mit reichhaltigem Figurenschmuck versehen. Die Abgebildeten 4 Elementen Erde, Feuer, Wasser, Luft wurden mit den lateinischen Namen Terra, Ignis, Aer und Aqua versehend, dargestellt. Ferner waren die Planeten Mond, Luna, Venus, Sol und Saturn, sowie zwei Krieger und verschiedene Tiere abgebildet.

Weiterhin waren 3 Relief-Darstellungen angebracht.

Im ersten Bild sah man einen Mann, ganz den Genüssen des Lebens hingegeben, er trinkt köstlichen Wein; da kommt plötzlich der Tod und rennt ihm eine Lanze in den Leib.

Im zweiten Bild sitzt ein Kind auf einem menschlichen Schädel und die Inschrift darunter lautete: „Hodi mihi, cras tibi“ (Heute mir, morgen dir).

Im letzten Bild befand sich im Hintergrund eine Kirche. In einer abendlichen Landschaft lag friedlich ausgestreckt ein alter Mann. Die abgelaufene Sanduhr aber hält er noch in der erkaltenden Hand. 

Durch den Bombenangriff auf Hildesheim am 22. März 1945 wurde das Haus völlig zerstört. Heute steht dort das Wohn-/Geschäftshaus Osterstraße 7 im Stil der 50er Jahre.


(2) Hervorragender reich gegiebelter Bau aus dem Ende des 16. Jahrh.; zehn Spann lang; ursprünglich EG. und ZG mit vorkragendem OG.

Das Gebäude ist wunderbar gruppiert. Ein großer Giebelbau, sieben Spann Länge und mit 16 Spann Länge als Traufseite nach dem 1. Rosenhagen bildet den Hauptbauteil. An ihn schließt sich an der Ecke nach der Osterstraße an ein im ersten Obergeschoß beginnender drei Spann breiter Giebel von zwei Geschossen, dieser kragt mit drei Spann Breite nach dem Rosenhagen nochmals als ein sogenanntes Zwerghaus (Dachgaube) vor. Das Haus erhält durch diese Giebelanbauten ein überaus malerisches Ansehen, es ist in dieser Hinsicht das eigenartigste Werk, das die Hildesheimer Holzbaukunst geschaffen hat.

Leider ist das Innere des Hauses total umgebaut, lediglich aus den Fenstern des Unter-geschosses läßt sich noch feststellen, daß eine Diele hinter der Tür und unter dem Erkerbau lag, während links vom Eingang ursprünglich ein Zwischengeschoß angeordnet war.

Das Erdgeschoß ist durch Einbau einer Wirtschaft und Erhöhung der Fenster stark geändert. Als Pfosten dienen auf der linken Hälfte korinthische Kandelabersäulen, über denen Bandwerk und Reste weggeschnittener Gesimse das ehemalige Zwischengeschoß andeuten, während rechts in sieben Spann Länge alle Kandelabersäulen schlank durchgehen. Die wieder verwandten weggeschnittenen Setzschwellen und Füllbretter des ehemaligen ZG, sind über den Stürzen der erhöhten Fenster wieder eingepaßt. Der ursprüngliche Zustand hat sich nur über der Tür erhalten.

Der bildnerische Schmuck des Hauses ist sehr reich. Als Zyklus ist in den drei linken Brüstungsfeldern des Erdgeschosses dargestellt „der Tod und die Lebensalter“; links ein lebensfroher Jüngling den Becher in der Hand, vom Sensenmann ereilt; die Jugend in der Mitte: die Personifikation des Todes, als Mann mit Totenschädel und Sanduhr, zur Seite und Beischrift: HODIE / MIHI / CRAS / TIBI; rechts: ein ruhender Mann mit Becher (das Alter).

Reiche Konsolen, von denen die über der Haustür mit einer kauernden Männergestalt bemerkenswert ist, stützen das auskragende Obergeschoß. Seine Setzschwelle enthält roh gezeichnete Flachornamente, meist stilisierte Tiere usw. In den Brüstungsplatten des OG sind die sieben Gestirne in nachstehender Darstellung (ohne Beischrift) wiedergegeben: Saturn (als Planet, ein Kind verschlingend), Mars (als Krieger), Jupiter (als wachsamer Soldat vor einem Festungstor postiert), Venus (mit Pfeil und entflammtem Herzen), Luna (mit der Mondsichel in der Hand), Merkur (mit Merkurstab).

Im darüber stehenden Geschoß des Hauptgiebels zeigen die Brüstungsfelder drei Allegorien, deren Sinn schwer zu deuten ist, sowie einem Löwen, darüber im zweiten Geschoß freie Kompositionen wie Hirsch, Mann und Weib mit Fischschwänzen (Grotesken!).

Das erste Hauptgeschoß ist in der Brüstung reich geziert mit zwei Gesimsleisten, die unten mit Rundstab mit gut gezeichneten Blättern, oben als doppelte Zahnschnittleisten ausgebildet sind. Von solchen Zahnschnittleisten laufen stetes zwei, die eine in Oberkante Setzschwelle, die andere in Oberkante Fensterbrüstung in den übrigen Geschossen des Hauses durch, so daß die Wiederholung dieses Ziermotivs dem Ganzen einen zwar lebhaften, aber auch etwas überladenen Charakter verleiht.

Als Stützen dienen im ersten OG schön gezeichnete Hermen.

Das unterste Erkergeschoß zeigt in den Brüstungen die Reliefbilder von TERRA, IGNIS und AER (letztere in einem Luftschlitten fahrend), sowie einen Mann, der ein Schiff in der Hand trägt, wohl eine Anspielung auf den Erbauer (Handelsherr?). Das zweite Erkergeschoß zeigt die Personifikation von Frühling, Sommer, Herbst und Winter, darüber ähnliches Ornament wie im Hauptgiebel. Das Zwerghaus nach dem 1. Rosenhagen ist unten mit der Mäßigkeit (Jüngling mit Becher), Hirsch; oben mit zwei Hirschen und im Giebeldreieck mit der Eule (Weisheit) geziert.

An der weit ausladenden Ecke nach dem Rosenhage sitzen originelle Konsolen, Mannesköpfe, der untere gekrönt mit Ring im Maul (Anspielung auf „cave canem“=Warnung vor dem Hund), der obere mit in zwei Rollen aufgelöster Zunge.

Nach dem 1. Rosenhagen zu, ist ein altes Butzenscheibenfenster noch erhalten.

Ansichtskarten

Foto/Bild

Der Giebel des Hauses
Der Giebel des Hauses

Text-Quelle:

- Literatur


- Webseite

Bildquelle:

- Ansichtskarten

- Foto / Bild

  

(1) A. v. Behr, "Führer durch Hildesheim", Verlag A. Lax, Hildesheim 1935, Seite 14

(2) Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover; Selbstverlag der Provinzverwaltung; Hannover 1911, Band II, Heft 4, Teil 1, Seite 210 f

 

 

Privatbesitz H.-J. Brand

O. Beyse, „Hildesheim“, Deutscher Kunstverlag, Berlin 1926; Foto 61



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