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Gaststätte "Braunschweiger Hof"


[1] Der in der Scheelenstraße Nr. 31 (früher Nr. 312) liegende Braunschweiger Hof (Bild) von 1563 ist ein stattlicher Bau von 14 Spann Länge mit umgebautem EG, erhaltenem ZG und vorkragendes OG.

Interessant die schiefe Stellung des Gebäudes im Baublock, sodaß sämtliche Konsolen in der Vorderansicht nicht senkrecht sondern seitlich erscheinen, ein Umstand, der sehr zu der kulissenartig-perspektivischen Wirkung des Hauses im Straßenbild beiträgt. In der Aufnahme (Bild 1 in gerader Ansicht aus praktischen Gründen gezeichnet). Das (umgebaute) EG zeigt noch Reste einer mit Hohlkehle und gekehlten Stäben profilierten Torfahrt; darüber zwei Hausmarken: links ein Schild mit drei Bäumen, rechts ein solcher mit Hirsch; dazwischen die Jahreszahl 1563.

Die Brüstung ist gemäß der Nachahmung des Steinstiles jener Zeit durch aufgenagelte, gekröpfte Profilleisten in Architrav und Fries geteilt; die Fenstersturze zeigen den damals beliebten Vorhangbogen, die Pfosten sind mit Stäben profiliert; die Rollkonsolen auf dem Rücken mit Kanneluren.

Der Erker ist im ZG und OG auskragend und ein zierliches Werk des 17. Jahrhunderts. Im UG sich auf ursprünglich wohl eisernen (jetzt neuen hölzernen) Streben aufbauend, sind seine Füllbalken mit Eierstäben und Zahnschnitten geziert, die Setzschwelle und das Brustholz mit den typischen Zahnschnittleisten benagelt (Bild 2). Die figürlichen Darstellungen beziehen sich auf den Lebensmut der Jugend.

Im Zwischengeschoß zeigt die linke Schmalseite die Inschrift:

SIC PERGIMVS AMBÆ SI FORTVNA IVVAT CAVETO TOLLI

Darüber eine Schnitzerei: Ziege springt über eine andere, auf schmalem Steg liegend weg.

An der Vorderansicht links:

Wappen von Schildhaltern (Engel) getragen, links quartiertes Schild, weißrot, rechts desgl. geteilt in Gold. Unterschrift:

OMNES CINIS ÆQVAT SOLA ∙ DISTINGVIT ∙ VIRTUS

An der rechten Schmalseite: Darstellung eines Jünglings, die Spitze eines Stabes in ein Feuer haltend. Unterschrift:

MOROSIS | CEDENDVM ∙ 1621 ∙ | SI FORTVNA TONAT | CAVETO MERGI

Die Pfosten im ZG sind an den Ecken und der Mittelsäule als Hermen gebildet (Bild 3). Die Konsolen mit Metallstilornament geziert.

Im Obergeschoß des Erkers an der linken Schmalseite eine Schnitzerei:

Nackter Mann eine Palme erkletternd, Beischrift: ARDVA QVÆ PVLCHRA;

In der Front links: Kinder, sich herumtollend, Gänse vor ihnen wegfliegend, Beischrift: SEMPER PVERI,

an der rechten: zwei Frauenfiguren, mit geschlitztem Kleide, die linke mit Buch, in der Mitte eine kauernde nackte Figur, links im Hintergrund ein Rundtempel, Beischrift: LVBRICVM JVVENTVTIS.

An der rechten Erkerschmalseite: ein von Insekten gequälter Elefant mit der Beischrift:

EGO ∙ VERO ∙ HAVD ∙ MORDEOR

Am Hause hängt ein schön gezeichnetes Metallschild (Bäckerinnungszeichen, von zwei Adlern gehalten), mit Beischrift: Bäckergesellen-Verkehr.

[4] Das 1563 errichtete Gebäude stand in der Scheelenstraße Nr. 31.

Herausstechend war die schiefe kulissenartige Stellung des Gebäudes im Baublock. Über dem Rest der Torfahrt befanden sich 2 Hausmarken: Baumgarten u. Hirsch. Der Erker war von 1621

Das Gebäude war mit einem schön geschnitzten Erker, Figurengruppen und mit folgenden, auf lateinisch geschriebenen Sprüchen, versehen:

„Allzeit jung“, „ Geschmeidigkeit ziemt der Jugend“, „ Alles gleichet der Staub, einzig die Jugend ragt vor“, „Schwierig ist, was schön“, „ So halten wir es mit beiden: Wenn Fortuna dir hold, hüt dich vor Überhebung, wenn Fortuna grollt, hüte dich, geduckt zu werden“, „Den Mürrischen geh‘ aus dem Weg“, „ Ich habe ein dickes Fell“.

An der rechten Seite des Erkers sah man einen von Stechfliegen umschwärmten Elefanten mit der Inschrift: „Ego haud vero mordior“ (Ich werde wirklich nicht gebissen). Der Besitzer des Hauses wollte damit seine Mitbürger zu verstehen geben, daß er sich um ihr Gerede nicht kümmere, daß er „ein dickes Fell“ habe.

Besonders schön war das Bild auf der anderen Seite des Erkers, in dem sich zwei Ziegen auf schmalem Steg begegnen. Ohne zu streiten lösen sie das Problem des Herüberkommens, indem sich eine Ziege niederlegt und die andere über sie hinwegspringt. Darunter stand die erläuternde Inschrift: „Sic pergimus ambae“ (Auf diese Weise kommen wir beide hinüber).

Auf dem zierlichen Erker befanden sich Figurengruppen mit Inschriften: Semper pueri (immer Knaben), Lubricum juventutis (Leichtsinn der Jugend), Omnes cinis aequat sola distinguit virtus (alles gleichet der Tod, hervor nur raget die Tugend), Ardua quae pulchra (Schwer ist das Schöne), sic pergimus ambae Si fortuna juvat, caveto tolli (So kommen wir beide hinüber, wenn das Glück dir hold, hüte dich vor Stolz.) Darüber zwei Ziegen auf einem schmalen Steg, eine duckt sich und läßt die andere über sich hinwegspringen.

Ego haud vero mordior (Ich habe ein dickes Fell), darüber ein Elefant, der von Mücken umschwärmt wird.

Morosis cedendum Si fortuna tonat, vaveto mergi (Den Mürrischen meide. Wenn das Geschick dreut, der Weise sich nicht scheut). Darüber ein Mann am Feuer. 

Foto/Bild

Bild 1: Vorderfrontansicht
Bild 1: Vorderfrontansicht

Ansichtskarten

Text-Quelle:

- Literatur

 

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Bildquelle:

- Ansichtskarten

- Foto / Bild

 

[1] Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover; Selbstverlag der Provinzverwaltung; Hannover 1912, Band II, Heft 4, Teil 2, Seite

[4] A. v. Behr, „Rundgang durch Hildesheim“, Verlag A. Lax Hildesheim 1928, Seite 17

 

 

Privatbesitz H.-J. Brand

Bild im Text: 

Bild 1: [1] Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover; Selbstverlag der Provinzverwaltung; Hannover 1912, Band II, Heft 4, Teil 2, Seite 255 

Bild 2: [1] Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover; Selbstverlag der Provinzverwaltung; Hannover 1912, Band II, Heft 4, Teil 2, Seite 194

Bild 3: [1] Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover; Selbstverlag der Provinzverwaltung; Hannover 1912, Band II, Heft 4, Teil 2, Seite 196




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