Translator:



Kirchliche Stiftungen


 

1) Annen-Stift 

2) Augustinerchorherren-Stift 

3) Bartholomäusstift 

3.1) Godehardwerk

4) Johannisstift 

5) Kollegialstift von St. Andreas 

5.1) Kurrende

6) Magdalenen-Stift 

6a) Moritzstift

7) Sültestift 

8) Union der sieben Stifte 

9) Zum Schüsselkorb (Stift)


1) Annen-Stift


2) Augustinerchorherren-Stift

 → Bartholomäus-Stift


3) Bartholomäus-Stift

In heidnischer Zeit galt das Gelände der Sülte als Sitz der germanischen Göttin Berchta. Laut Volksglauben wurde das sumpfige Gelände um der Quelle der Sulza von Geistern und bösen Dämonen bewohnt und war dementsprechend von der Bevölkerung gefürchtet.

Um diesen Aberglauben zu unterbinden, ließ Bischof  Godehard  um 1020 auf dem Sumpfgelände zu Ehren des heiligen Bartholomäus eine Kapelle errichten sowie ein Pilgerhaus und ein Hospital bauen. Bereits wenige Jahre später wurde die Kapelle zu einer festen Kirche erweitert. Zwischen 1115 und 1119 erhielt das Stift von Ekletbischof Bruning  die sie umfließenden Gewässer samt Fischerei und Wildrechte als Schenkung.

Die gesamte Wasserversorgung Hildesheims erfolgte durch die Sülte, das Kloster bekam dafür von der Stadt 100 Scheffel Gerstenmalz pro Jahr bezahlt. Diese Bezahlung in Naturalien wurde erst 1724 in eine Barzahlung, nämlich 55 Reichstaler und 20 Groschen, umgewandelt.

1130 wurde die Umwandlung in ein Augustiner-Chorherrenstift unter Bischof Berthold vollzogen. 

Das Stift vergrößerte sich im 12. Jahrhundert sehr rasch. Es wurde bald Pfarrkirche und konnte Ländereien  in Hotteln und Ahrbergen erwerben. Es galt als „Lieblingskloster“ der Hildesheimer, viele Besucher kamen dorthin und die reichsten Bürgersöhne Hildesheims traten ins Kloster ein.

Dieses gute Verhältnis zwischen Stift und Stadt änderte sich jedoch, als Hildesheim um 1350 am Ostertor eine Mauer errichtet. Hildesheim griff nun immer mehr in klosterinterne Angelegenheiten ein und versuchte, den Klöstern ihre Rechte zu beschneiden. Dieses führte schließlich zur Gründung der → Union der sieben Stifte.

Zum Höhepunkt der Streitigkeiten führte 1505 die Errichtung einer Sakristei des Klosters. In diesem steinernen Bauwerk sah die Stadt eine Gefährdung ihrer Befestigungsanlagen, da sie sich leichter durch Feinde von außen angreifbar fühlten. Um diesen Zustand zu ändern, wurden die Chorherren des Klosters unter Druck gesetzt: Ihnen wurde zeitweise der Zugang zur Stadt verwehrt, bis schließlich, drei Jahre später, eine Einigung erzielt wurde: Die Stadt behielt das Nutzungsrecht an einem der Kanäle und die neu errichtete Sakristei wurde teilweise wieder entfernt. Weiterhin durften Stein- und Hochbauten nur mit Genehmigung der Stadt errichtet werden.

Mit der Reformation verschärfte sich die Situation. 1542 wurde, vom nun lutherischen, Stadtrat die öffentliche Ausübung des katholischen Glaubensbekenntnisses verboten. Das Vermögen des Barholomäusstiftes fiel teilweise an die evangelische Kirche, außerdem mußte es sich an der Besoldung der lutherischen Geistlichen beteiligen. Die eigenen Geistlichen hingegen waren Repressalien ausgesetzt.

Im Schmalkaldischen Krieg wurden die Steinbauten des Klosters 1546 durch die Stadt, unter Aufsicht von fünf Ratsherren, weitestgehend entfernt. Die Chorherren blieben jedoch im Stift, das nur noch eine Ruine war.

Nach dem Sieg Kaisers Karl V. über die Prodestanten wurden Vermittlungsbemühungen der beiden Parteien durchgeführt, der jedoch vom Rat nur halbherzig umgesetzt wurde. Auch ein Vertrag, den die Stadt 1553 mit Fürstbischof Friedrich v. Holstein abschloß, verbesserte die Situation der  Klöster nicht.

Die ökonomische Lage des Sülte-Klosters blieb daher desolat, die sich in Folge mehrerer Auseinandersetzungen zwischen Kloster und Stadt, z.B. über das Biermonopol der Stadt, noch zuspitzte, sodaß 1608 nur noch vier Chorherren in der Sülte lebten und die seelsorglichen Tätigkeiten des Klosters weitestgehend eingestellt wurden.

Während des Dreißigjährigen Krieg wechselte die Situation des Klosters öfters. Besetzungen und Überfälle, z.B. die Belagerung durch dänische und Braunschweigische Truppen, aber auch durch Zerstörung und Überfälle durch Hildesheimer Bürger selber, schwächten das Kloster nachhaltig.

Ende des 17. Jahrhunderts begann das Kloster mit Restaurierungen und Wiederaufbau, wobei der alte Streit mit der Stadt  über Bauvorschriften wegen einer möglichen Gefährdung der Stadtbefestigung wider aufbrach. Dieser Streit ging sogar soweit, dass Hildesheimer Soldaten das Kloster besetzten und mit der Zerstörung drohten.

Erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts erlebte das Kloster eine neue Blütezeit. Das Kloster wurde nun wieder von 20 Chorherren bewohnt, alle Folgen der schweren Kriegs- und Nachkriegszeit waren überwunden. In dieser Zeit erhielt das Kloster eine prächtige Ausstattung: der Haupt- und Seitenaltar stehen heute in der St. Cosmas und Damian-Kirche in Groß Düngen. Zwischen 1750 und 1800 wurde das gesamte Kloster im Barockstil umgebaut und erweitert.

1803 wurde das Kloster säkularisiert und die Kirche geschlossen. Lediglich der Probst blieb zunächst im Kloster.

Unter dem Königreich Hannover wurden 1816 Kavallerieeinheiten in die Klostergebäude eingewiesen, die etwa 25 Jahre dort garnisoniert waren, während hannoversche Infanterie nördlich nebenan (heute Finanzamt) kaserniert war. Um 1843 erfolgte der Neubau bzw. Umbau in eine Irrenanstalt. Die zwei Torhäuschen entstanden in dieser Zeit.

Um die mittlerweile total überlastete Provinzial- und Heilanstalt zu entlasten, wurde von den Ständen das Geld für einen Neubau auf dem Sültegelände bewilligt. 1848 wurden die alten Klostergebäude abgerissen und durch einen Neubau im neoklassizistischen Stil ersetzt.  

(im Original übernommen)

Text-Quelle:

- Literatur

- Webseite

Bildquelle:

- Ansichtskarten

- Foto / Bild

 

 

 

 

 

Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover; Selbstverlag der Provinzverwaltung; Hannover 1912, Band II, Heft 4, Teil 2, Seite 196



3.1) Godehardwerk

Ein von Bischof Joseph Ernst gegründetes Werk mit dem Zweck der „Förderung der geistlichen Berufe“ in der Diözese Hildesheim. 



5) Kollegialstift von St. Andreas

1200 gründete J. Galle das Kollegialstift von St. Andreas. 


5.1) Kurrende

Da man beim Domstift auch eine Schule für Knaben anlegte und Begüterte und Nichtbegüterte darin aufgenommen wurden, war man gewiß darauf bedacht letztere durch Gaben zu unterstützen. Durch die milden Gaben entstand die Kurrende oder Karende.

Denen welche die milden Gaben der Kurrende genossen wurde auferlegt, geistliche Lieder zu singen und Gebete zu verrichten welches öffentlich geschah. Die Kurrende ist nach der Tradition von dem Fürstbischof Hartbert von Hildesheim für arme Schüler im Jahre 1207 gestiftet worden. Viele Personen haben – wie es in damaliger Zeit üblich war -  beträchtliche

Schenkungen an die Kurrende gemacht. Unter anderem folgende Personen:  Moritz v. Soden, Kanonikus bei dem Kreuzstifte; der Domdechant Johann v. Cappel gab 1000 Thaler, wovon eine Hufe Land vor Asel angekauft wurde. Ein Herr v. Alten, Johann Rappenhagen, Christoph Oldekop, Heinrich Lamberti sowie Magister Krevet, Kanonikus bei dem St Andreasstift.

Die Stellen in der Kurrende hatte der jeweilige Domscholaster zu verleihen. Es werden dazu Schüler aus der Trivialschuleund der Schule des Gyninasii Josephini ausgewählt.

Es gab gewöhnlich am Mittwoch einen Kurrendentag, an dem den Kurrendarien jedem ein 2 Pfund-Brot - aus gutem Rocken gebacken - zugeteilt wurde. Bei der Brotverteilung müssen die Empfänger kniend ein Gebet für die Wohltäter hersagen. Die Kurrendarien erhalten jährlich ein Paar Strümpfe und ein Paar Schuhe, die auch nachher einmal ausgebessert werden. Sie gingen wöchentlich dreimal singend durch gewisse Straßen, je zwei und zwei; die Trivialisten gingen voran dann folgten die Studenten nach ihren Schulen. Man ging die Treppe bei der Dom- Weinschenke herunter durch das Hückethal oder über den kleinen Domhof durch den hintern Brühl bei St. Godehard vorüber, durch den vordem Brühl durch die Kreuzstraße über den Bohlweg durch den Papenstieg (Pfaffenstieg) über den großen Domhof bis zur Kornschule. Vor dieser Prozession versammelte man sich bei der Kornschule in der Gegend des neuen Paradieses. Dann wurden die Namen der Kurrendarien verlesen. Wer ohne Entschuldigung nicht da war erhielt kein Brot. Die Knaben gingen in die Häuser der Stadt und sammelten Brot und Geld für das Institut. Vor den Klöstern Godehard und Michaelis erhielt die Kurrende wöchentlich das, was an Brot und Fleisch bei den Tafeln übriggeblieben war, später wurde die geringe Summe von nur 12 Taler verabreicht. Mehre Domherrn gaben aus gutem Willen jährlich ein Beträchtliches an Korn an die Receptur (Gemeinschaftshaus) der Kurrende.

In dem dreißigjährigen Kriege waren von 1634 bis 1643 in welchen Jahren keine öffentliche Schule gehalten ward keine Kurrendarien vorhanden. Die Einnahmen der Kurrende bestehen in „Kornfrüchten und in Gelde“. Der Kapitalbestand welcher auf Zinsen entstand war nicht unbeträchtlich.

Die Receptur der Karthause mußte dem zweiten Schullehrer der Domschule jährlich für Holz 12 Taler auszahlen, welche Einnahme und Ausgabe in der Kurrendenrechnung aufgeführt wird.

Die Domkurrende stand anfänglich unter der Administration des Domstifts, nachher unter der Administration des Armenadministrations Kollege. Zuletzt stand sie unter der Aufsicht des jeweiligen Bischofs von Hildesheim. 


6) St. Magdalenen-Stift

Bischof  Siegfried II. stiftete 1290 ein Kapitel mit 4 Kanonikern als St. Magdalenenstift im Schlüsselkorb (Haus Domhof 21). Die dazu  erforderlichen erheblichen Mittel verschaffte er sich durch Verpfändungen der Güter. 


6a) Moritzstift


7) Sülte-Stift

Bartholomäus-Stift


8) Union der sieben Stifte

Um 1350 versuchte die Stadt Hildesheim sich immer mehr in klosterinterne Angelegenheiten der in und um Hildesheim liegende Klöster  einzumischen. Sie versuchten unter anderem, den Klöstern ihre Rechte, wie zum Beispiel Weiderechte oder Rechtstitel, zu beschneiden.

Um sich gegen diese wachsende Bedrängnis durch die Stadt besser wehren zu können, schlossen sich das Sülte-Stift  mit St. MichaelGodehardikloster,  Mauritiuskirche,  Heilig Kreuz, Andreaskiche  und St. Johannes  zu einer Union der sieben Stifte zusammen. 


9) Zum Schlüsselkorb (-Stift)

Nördlich des Bischöfliches Palais stand das ehemalige, seit 1309 nachweisbaren, vielleicht aus der bischöflichen Hauskapelle erwachsenen, Kanonikerstift "Zum Schlüsselkorb".

Dieses Stift trug den sonderbaren Namen (altdt. "Schöttelnkorf"), wie man  meint nach einem an dieser Stelle ehemals befindlichen bischöflichen Gebäude für Küchengeräte.

Das Stift ging erst im Jahre 1810 ein.



Zurück → Die Kirche