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Das wohltätige Hildesheim


[1.1] Die Erfüllung sozialer Aufgaben, jetzt eine der wichtigsten Pflichten des modernen Staates, gehörte im Mittelalter zu den vornehmsten Arbeiten kirchlicher Fürsorge. Schon in jener frühen Zeit ergab sich eine Trennung der Arbeiten nach dem Wesen der Aufgabe; neben Krankenhäusern zur Heilung entstehen Anstalten für Sieche, Asyle für Arme, Häuser für Aussätzige usw.

Er soll im Nachstehenden kurz dargestellt werden, welche Aufgaben der Wohltätigkeit und Fürsorge die in Hildesheim ansässigen kirchlichen Genossenschaften erfüllten, wobei zu bemerken ist, daß nicht nur Ordensangehörige solchen angehörten, sondern auch – besonders in den sogenannten Brüderschaften – der Werktätigkeit des Laienelementes ein breiter Raum gegönnt war. 

[1.2] Neben den geschilderten Spitalstiftungen, Bruderschaften und Herbergen sind zahlreiche Stiftungen von Privatpersonen zugunsten der ärmeren Bevölkerung im 15. Jahrhundert zu verzeichnen.

Neben dem schönen Stipendium des sogenannten „Collegium Saxonicum“ an der Universität Erfurt durch den Domherrn und Propst des Kreuzstiftes Tilo Brandis, sind namentlich sehr zahlreiche Stiftungen von Brot, Kleidern und Schuhen für Arme, dann Holz und Kohlen, 1488 eine besonders auch jetzt wieder übliche, zur Ausstattung heiratender armen Mädchen zu nennen.

In reichen Bürgerhäusern war es üblich, bei Todesfällen Arme zu speisen, wofür Brandis in seinem Tagebuch mehrere Beispiele erwähnt.

Mit dem Erstarken der städtischen Verwaltung ging die Regelung der Wohltätigkeitsanstalten teilweise auch in ihre Hand über; als besonders hervorragende in diesem Zeitabschnitt sind für das 16. Jahrhundert zu nennen die Gründung des Arnekenhospitales durch den Bürgermeister Henni Arneken 1570 in der Almsstraße.

1769 erfolgte die Stiftung des Rolandspitales als ein Vermächtnis des im gleichen Jahre verstorbenen Senators und Kaufmannes Roland, das ursprünglich im sogenannten Rolandhause, jetzt (1911) aber im ehemaligen Wohnhause des Stifters, Rathausstraße 23 und Langer Hagen 54 untergebracht ist. Beides sind jetzt Asyle für verarmte protestantische Bürger und Bürgerinnen.

Dem 18. Jahrhundert gehört auch das katholische Waisenhaus im Pfaffenstieg an, gegründet 1749 durch den Domdechanten Jobst Edmund von Weichs

Text-Quelle: [1.1] A. Zeller: Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover; Band 2, Kapitel 4: Bürgerliche Bauten; Selbstverlag, Hannover 1912; Seite 80

                      [1.2] A. Zeller: Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover; Band 2, Kapitel 4: Bürgerliche Bauten; Selbstverlag, Hannover 1912; Seite 82