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Hotel und Restaurant "Wiener Hof"


GESCHICHTE

[1] Der Wiener Hof, Friesenstraße 16 (früher Nr. 1003) stammt von 1609. Er war als ehemaliges Thurn- und Taxissches Posthaus das Absteigequartier der Reisenden und ist seit seinem Umbau durch Herrn Regierungs- und Baurat Friedrich Schultze-Berlin, in den 80er Jahren des letzten (19.) Jahrhunderts als ein behagliches, auch im Inneren ansprechendes altdeutsches Gasthaus eingerichtet.

 

BESCHREIBUNG

Der dreistöckige Bau (Bild rechts) ruht auf massivem Sockel und ist von zwei durch beide Geschosse auskragenden Erker flankiert. Der (nach dem Hause gesehen) rechte, mit dem ursprünglichen Bau hochgeführte Erker geht bis zum Terrain durch, seine Pfosten, mit flachgeschnitzten Renaissancesäulchen freier Komposition geziert, tragen die typischen Rollwerkkonsolen der Spätzeit.

Der linke Erker ist gestützt durch vier Konsolen in Gestalt hockender Männer, die mit ihren Armen durch Rollwerk greifen, und mit den als Tierklauen gebildeten Füßen sich gegen die Wand stemmen. Tuchbinden halten die Figuren in dieser gequälten Stellung fest (Bild links).

Der westliche Erker (Bild unten) trägt in gotischen Minuskeln die Inschrift:

Anno Domini 1609.

Wol an Gott veste gelovet vnd ohme alle tidt ganz vertruwet. Der svlvige heff hir vnde dorth ganz woll gebvveth.

 

Im Obergeschoss steht:

Der segen des Heren der deit dich din

guth vormeren so dv dich deist mit Gott

vnd ehren ernern.

Am Erker selbst:

Affgunst der lvide kann nith gans

vell schaden, dan watt der leive gott

vil datt moth wol geraden.

 

Das Gebäude ist ebenfalls reich, ähnlich der Neustädter Schenke, mit Schnitzereien, besonders auch aus der biblischen Geschichte, geschmückt.

Im Obergeschoss sind am westlichen Erker wiedergegeben: Frauenkopf – sodann die Sinnbilder der zwei Elemente TERRA – MER (letzteres für das sonst übliche AQVA); dann Männerkopf (Türke?) – SPES.

Zwischen den Erkern sind folgende Szenen aus der biblischen Geschichte dargestellt: Moses empfängt die Gesetzestafeln; Durchgang der Juden durch das rote Meer; die Kundschafter mit der Taube (das gelobte Land); Erhöhung der Schlange; Bileams Eselin; Simson jagt Füchse mit Feuerbränden an den Schwänzen in das Lager der Philister; Simson zerreißt den Löwen; Simson schlägt die Philister mit dem Eselskinnbacken; Simson betet um Wasser; Simson trägt die Tore von Gaza davon; Simson und Delila.

In den Brüstungsfeldern des unteren Geschosses sind dargestellt am östlichen Erker (Bild links) weitere Bibelszenen und zwar: sieben magere Kühe Abraham mit Isaak zum Opfer gehend; Abraham vertreibt Hagar mit Ismael (letzterer trägt als Zeichen vergangener Liebe treuherzig Pfeil und Bogen); sieben fette Kühe; Jakob sieht Rahel kommen (auf einem Pferde wie ein Mann reitend).

Zwischen den Erkern sind wiedergegeben die symbolischen Bilder der fünf Sinne: Gesicht, Geruch, Gehör, Geschmack, Gefühl.

Am südlichen Erker endlich sind nachstehende Schnitzereien angebracht: die übliche Darstellung des Elementes AQVA, ferner nachstehende biblischen Szenen: Jakobsleiter, Jakob mit den bunten Stäben; Jakob ringt mit dem Engel: Josef in der Grube; Abraham mit Melchisedek. Die figürlichen Bibelszenen sind sämtlich höchst charakteristisch gezeichnet.

 

Im Inneren eine Diele mit seitlicher Treppe, ein großer Flur im ersten und zweiten Stock. Alte Stücke der inneren Einrichtung sind nicht erhalten.  

[4] Das 1609 als Hotel u. Restaurant erbaute Gebäude befand sich in der Friesenstraße 5.

Das Haus wurde vom Besitzer Joachim Wiesenhavern dem Generalpostmeister als Poststation von „Thurn u. Taxis“ gegen einen Mietzins zur Einrichtung des kaiserlichen Postamtes überlassen, bis es 1829 als königlich-hannoversche Post zum Domhof zog.

Mit dem reichen bildhauerischen Schmuck in den Fensterbrüstungen zählte es zu den schönsten Hildesheimer Fachwerkhäusern. Der letzte Besitzer war der Hotelier Friedrich Roeder, der den Ruf des Hauses weltweit bekannt machte, bis es 1945 im Bombenhagel der Alliierten zerstört wurde. 

Die durch Erker gegliederte Fassade bot vielfachen Bilderschmuck. 

Besonders Allegorien und personifizierte neben alttestamentarische Szenen bildeten die Abbildungen. Auf den Setzschwellen befanden sich niederdeutsche Bauinschriften.

Die obere Reihe zeigte (von links nach rechts): Frauenkopf, terra (Erde), aer (Luft), Männerkopf, spes (Hoffnung), Moses am Sinai, Durchgang durchs Rote Meer, die Kundschafter mit der Taube, Erhöhung der Schlange, Bileans Esel, Simson mit den Feuerbrände t ragenden Füchsen, Simson mit dem Löwen, Simson schlägt die Philister mit dem Eselskinnbacken, Simson betet um Wasser am Eselskinnbacken, Simson trägt das Stadttor von Gaza, Simson und Delila.

Auf der Setzschwelle darunter verlief folgende Inschrift:

"der Segen des heren, der seit dich din guth vormeren, so du dich deist mit Gott und ehren ernehren.  Affgunst der Lude kann nich ganz vill schaden, den wat der leive Gott vil, dat moth wol geraden"

Die untere Bildreihe zeigt folgende Darstellungen: die 7 mageren Kühe, Abraham mit Isaak zum Opfer gehend, Abraham vertreibt Hager mit Ismael, die 7 fette Kühe, Jakob sieht Rahel kommen, Gesicht, Geruch, Gehör, Geschmack, Gefühl, aequa (Wasser), Jakobsleiter, Jakob mit den bunten Stäben, Jakobs Ringen mit dem Engel, Joseph in der Grube, Abraham und Melchisedek.

Auf der Setzschwelle darunter verlief die Inschrift:

"anno domini 1609.   wol an Gott veste glovet und ohme alle tid vertruwet, der sulvige hefft hi runde dort ganz woll gebuweth".

Die neun Phasen eines Trinkers wurde im Relief dargestellt: Der Trinker mit Humpen, wie er den Finger in den Mund steckt, würgt, sich erleichtert, erneut den Humpen ansetzt, zum Heringsfaß wankt und weiter trinkt.

Die gesamten Konsolen und Stützen waren reich geschnitzt. 

Das Gebäude wurde am 22.3.1945 durch alliierte Bomber zerstört.

Heute Friesenstieg; Gaststätten („Kiepenkerl“ u.a.) u. Wohnhäuser

 

Ansichtskarten

Text-Quelle:

- Literatur

 

Bildquelle:

- Ansichtskarten

- Foto / Bild

 

[1] A. Zeller: Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover; Band 2, Kapitel 4: Bürgerliche Bauten; Selbstverlag, Hannover 1912; Seite 132f 

[4] A. v. Behr, Führer durch Hildesheim; Verlag A. Lax, Hildesheim 1895; Seite 31f

 

Privatbesitz H.-J. Brand

[1] A. Zeller: Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover; Band 2, Kapitel 4: Bürgerliche Bauten; Selbstverlag, Hannover 1912; Seiten 132-135 




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