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Kirchliche Schulen


 

Chorschule 

Domschule 

Heilig-Kreuz-Stiftsschule 

Josephinum-Gymnasium →  Mariano-Josephinum-Gymnasium

Katholische Trivialschulen 

Lambertinum 

Mariano-Josephinum-Gymnasium 

Töchterschule

Scholaster/Schullehrer der Hl. Kreuz-Stiftsschule


Chorschule

Der Name „Chorschule“ könnte eine weitere frühere Bezeichnung der Domschule sein, da die zunächst auf den Kirchendienst gezielten Einrichtung der Schulen bei den Domstiftern in Deutschland und Frankreich die jungem Geistliche nicht nur in der Grammatik des Lateinischen sondern auch im Kirchengesang unterrichtet wurden.


Domschule

[W] Die Domschule am Domplatz war eine der bedeutendsten Domschulen des Mittelalters.

Die Anfänge der Hildesheimer Domschule sind gleichzeitig mit der Stiftung des Bistums Hildesheim durch den fränkischen Kaiser Ludwig den Frommen anzusetzen, da seit der Admonitio generalis Karls des Großen von 789 mit der Errichtung eines Bistums auch die Einrichtung eines Schulbetriebs bei der Domkirche vorgeschrieben war.

Einen Aufschwung erhielten die Studien am Hildesheimer Dom durch Bischof Othwin, der Otto I. 961 auf seinem zweiten Zug nach Italien begleitete und von dort nicht nur die Reliquien des heiligen Epiphanius,  sondern auch einen bedeutenden Bücherschatz mitbrachte. In dieser Zeit begannen allgemein die Klosterschulen gegenüber den Domschulen an Bedeutung zu verlieren wegen der Klosterreformen, die sich gegen die Verweltlichung und Außenkontakte richteten. Um das Jahr 1000 wurde durch Bischof Bernward  eine kulturelle Blüte erreicht, die das Ansehen der Schule weiter erhöhte. Der Umstand, dass Hildesheim das Heimatbistum der ottonischen Kaiserfamilie (Liudolfinger) war, verlieh der Ausbildung an der Hildesheimer Domschule bedeutendes reichspolitisches Gewicht als bevorzugte Vorbereitung für eine Wirksamkeit an der Hofkapelle. Die Mitglieder der ottonischen und salischen Hofkapelle gehörten zum überwiegenden Teil dem Hildesheimer Domkapitel  an, dessen Bildungsstätte die Domschule war.

Die Stadtreformation 1542 durch Johannes Bugenhagen und die darauf folgenden gegenreformatorischen Maßnahmen im Bistum leiteten das Ende der Hildesheimer Domschule ein. 1594 wurde das Quadrivium vom Jesuitenorden übernommen und in ein Jesuitenkolleg umgewandelt (fortgeführt vom heutigen Gymnasium Josephinum). Das Trivium blieb noch bis ins 19. Jahrhundert als Elementarschule bestehen. An der Domschule entstanden ist die heutige Dombibliothek Hildesheim.

Die ehemalige Domschule am Domhof, war von 1885 bis zum Umzug in den Regierungsneubau Sitz der Katasterverwaltung der Regierung.

(Im Original übernommen)

 

Bedeutende Schulleiter (Domscholaster):

Thangmar (ca. 940/50-ca. 1019), Lehrer Bernwards, Diplomat

Benno II. (um 1020-1088), Bischof von Osnabrück, Berater Heinrichs IV., Baumeister am Speyerer Dom

Bernhard von Konstanz († 1088), auch "Bernhard der Sachse", Gelehrter

Bernhard I. († 1154), Bischof von Hildesheim, Gründer des Klosters St. Godehard

Heinrich I. von Brüssel († 1182), Bischof von Lübeck, Berater Heinrichs des Löwen

 

Berühmte Schüler:

Bernward  von Hildesheim (um 960-1022), Bischof von Hildesheim

Heinrich II. (973/978-1024), Kaiser des heiligen römischen Reiches

Meinwerk (um 975-1036), Bischof von Paderborn, Berater Heinrichs II.

Pilgrim († 1036), Erzbischof von Köln, Erzkanzler von Italien unter Heinrich II. und Konrad II.

Benno von Meißen (um 1010-1106), Bischof von Meißen

Rainald von Dassel  († 1167), Erzbischof von Köln, Reichskanzler Friedrichs I. Barbarossa

Konrad von Querfurt († 1202), Bischof von Hildesheim und Würzburg, Erzkanzler von Italien unter Heinrich IV.

Bernhard II. Graf zur Lippe († 1224), Bischof von Selonien, Gründer von Lippstadt.

Albrecht I. von Käfernburg (um 1170-1232), Erzbischof von Magdeburg, Förderer Walthers von der Vogelweide

[1] War die Domschule schon früh von Ruf, schon unter Altfrid, nach den Erziehungsvorschriften der Aachener Synode von 789 eingerichtet worden, so tritt nun unter Leitung des Scholastiker, Bibliothekars und Notars Thangmar die Domschule in ein neues Stadium, sie wird die Erziehungsanstalt für die Großen jener Zeit. Sie vereinigte gleich glücklich in ihrem Lehrplane das theoretische Wissen mit der Einführung in die praktischen Erwerbszweige. Die glückliche Vereinigung des damals üblichen Elementarunterrichts mit sprachlichen und mathematischen Fächern war ein reges, geistig ungemein erfrischendes Erziehungssystems.

Die wirtschaftlichen, geschäftlichen und künstlerischen Aufgaben aber fanden in den Werkstätten und Schreibstuben der Domgeistlichkeit Arbeitsgelegenheit und Ausbildung; Goldschmiede, Metallarbeiter, Miniaturmaler sorgten für die künstlerisch technische Bildung; landwirtschaftliche und handwerkliche Übung wurde in der Kulturtätigkeit des umliegenden Kirchenbesitzes erworben. Die Einführung in das Verwaltungsleben und die Kenntnis der feinen Fäden der Diplomatie fanden in der Kanzlei des Bischofs wohl manches belehrende Beispiel.

Text-Quelle:

 

[1]  A. Zeller: Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover; Band 1, Kapitel 4: Kirchliche Bauten; Selbstverlag, Hannover 1911; Seite 2 

[W] http://de.wikipedia.org/wiki/Hildesheimer_Domschule



Heilig-Kreuz-Stiftsschule

Als das Kollegialstift zum heiligen Kreuze in Hildesheim von dem damaligen Fürstbischof Hezilo im Jahre 1079 gegründet wurde, entstand bei diesem Stifte nach dem Geiste des kanonischen Rechts sofort oder bald nachher ein Lehrinstitut für Lehrlinge männlichen Geschlechts, dem ein Stiftsmitglied unter dem Namen Scholastikus (Schulmeister) vorstand.

 

Dieser Scholastikus hatte doppelte Scholaren:

 

1.  Zöglinge die zu gewissen Funktionen des Kirchendienstes angelernt wurden welche  man      „Schlapschöler“

     (Schlafschüler) oder „Schlapgesellen“ (Schlafgesellen), nachher „Chorschöler“ (Chorschüler) bzw.

      „Chorgesellen“ nannte, welche beim Münster, da sie Kirchendienste verrichteten, Wohnung und Unterhalt hatten

 

2.   Zöglinge die man in der Religion, im Lesen und Schreiben unterrichtete.

 

Da der Scholastikus auf diese Art einen doppelten Unterricht geben mußte und dieses mit der Zeit „lästig ward“, indem sich die Zahl der Lehrlinge welche in der Religion im Lesen und Schreiben unterrichtet werden wollten sehr vermehrte, so wurde von dem Stifte für diese ein besonderer Rektor der Schule aus dem Laienstande unter dem Namen Magister angestellt.

Im Jahre 1670 verordnete das Stift das der Rektor der Schule oder Magister - der bisher nur in Religion, im Lesen und Schreiben Unterricht erteilt hatte -  jetzt auch Unterricht in den Anfangsgründen der lateinischen Sprache geben soll.

Dem Stifte gehörten zwei nebeneinander liegende und vormals mit einander verbundene Wohngebäude. In dem einen unter dem Namen Curia angularis iuxta war eine Apotheke, worin das Stift Arzneiwaren verkaufen ließ und in dem andern die Schule angelegt. Das erstere, ein Eckhaus, bewohnten in früheren Zeiten die Pfarrer der Kreuzkirche und das letztere in der Kreuzstraße gelegen, wurde vermietet.

Die Schule ward nachher, um das Jahr 1706, in die Wohnung des Stiftssukzentors (Gehilfe des Kantors) der ein eigenes Haus erhielt verlegt, worin diese bis zur Aufhebung des Stifts verblieb. Nach dessen Aufhebung wurde der Schule das Haus im Vorderen Brühle, das bisher der Pfarrer des Kreuzstifts bewohnt hatte, angewiesen.

Das reiche Kreuzstift besoldete die Rektoren der Schule oder Magister „gar kärglich“, weswegen sie nebenher andere Erwerbszweige ergreifen mußten um anständig leben zu können. Der Rektor der Schule oder Magister wurde von den Kapitularen des Stifts erwählt. Der Stiftsscholaster führte nach vollzogener Wahl den Neuerwählten in die Schule mithin in sein Amt ein.  

(Im Original übernommen)

 

siehe auch:

Scholaster der Hl. Kreuz-Stiftsschule 

 

Schullehrer der Hl. Kreuz-Stiftsschule

Text-Quelle:

- Literatur


Zepenfeldt, Beiträge zur Hildesheimer Geschichte; Gerstenbergische Buchdruckerei, 1830,  Band 3, Seite 58ff



Lambertinum

auch: Lamberts-Schule, Lamberti-Schule

 

Die mit der Urkunde von 1453 und der Erlaubnis des Dompropstes  Eckard II. v. Hanensee gegründete Schule bekam ihren Namen wegen des unmittelbaren Zusammenhangs mit der Lambertikirche. Sie hatte auch ihren eigenen Singchor und ihre eigene Kurrende.  

Die Schule bedeutete einen wesentlichen Fortschritt für den Bildungsstand in der Neustadt.  Es handelte sich um eine – sicher nicht allzu anspruchsvolle – Lateinschule, in deren „Unterstufe“ die Söhne Neustädter Handwerkmeister und Kaufleute auch elementare Kenntnisse in Rechnen, Schreiben und Lesen erwarben.

Seit 1545 lehrten drei Lehrer, ein Rektor, ein Cantor und ein „Infimus“ oder Subkonrektor.

Nach der Einführung der Reformation wurde das Lambertinum nach evangelischen Grundsätzen umgestaltet.

Nach dem 30jährigen Krieg hat sich das Lambertinum nicht wieder zu seiner vollen Blüte aufschwingen können. Seit 1750 war die Schule ohne Rektor und nur noch zweiklassig; Konrektor und Kantor leiteten jeweils eine Klasse. Vorher war sie drei- und zeitweise sogar vierklassig gewesen.

1802 wurde sie schließlich ganz geschlossen. 

Text-Quelle:

- Literatur


"Beiträge zur Hildesheimer Geschichte “; Gerstenberg-Verlag Hildesheim; 1827, Band 1 Seite 218




Töchterschule

Diese erste Hildesheimer Töchterschule wurde 1360 im Magdalenenkloster eingerichtet.


Katholische Trivialschulen

Um 1830 waren sechs katholische Trivialschulen vorhanden, nämlich für die Dompfarre die untere Abteilung der Kornschule als Knabenschule und die Töchterschule im Hückethal. Die zweite Abteilung der Kornschule ist Lateinische Elementarschule und kann als unterste Klasse des Josephinischen Gymnasiums  betrachtet werden. Für die Kreuz- u. Godehard-Pfarrei bestehen eine Knabenschule im Brühl und eine Mädchenschule am Lappenberg. Die Pfarre zu St. Marien Magdalenen hat eine Knabenschule an der oberen Ecke der Neuen Straße unweit der psychischen Heilanstalt zu St. Michael  und eine Mädchenschule vorn auf dem Hofe des ehemaligen Magdalenenklosters belegt.

Trivialschule zum Kloster St. Michael

Das Kloster zu St. Michael unterhielt eine Knaben und eine Mädchenschule. Ein Lehrer für jene, eine Lehrerin für diese wurden von dem Abt des Klosters angestellt und vom Kloster besoldet. In der Knabenschule wurden auch die Anfangsgründe der lateinischen Sprache gelehrt.

Trivialschule zur Pfarrerei St. Nikolai am Brühl

Zu der Pfarrei zu St. Nikolaus, welche vom Kloster zu St. Godehard versehen wurde oder zu der jetzigen Godehards-Pfarre, gehörten zwei Schulinstitute.

Trivialschule zum Kloster St. Godehard

Das Kloster St. Godehard unterhielt eine Mädchenschule am Godehardsbrink die nachher in das Hospital vor dem Godehardskloster verlegt wurde. Das Kloster hatte diese Schule in sehr alten Zeiten gestiftet und unterhielt sie auch.

Trivialschule in der Neustadt

Eine Schule für Knaben und Mädchen der Neustadt stiftete der Domprobst Levin Stephan v. Wenge im Jahre 1770. Er kaufte dazu ein Haus am Lappenberg beim sogenannten Kehrwiederturm und er verglich sich mit dem Magistrate der Neustadt, wegen der gemeinen städtischen Lasten, und übertrug das Patronat dieser Stiftung seinen Nachfolgern, den Dompröbsten zu Hildesheim, unter deren Gerichtsbarkeit die Schule stand. 

Nicht von Seiten des Magistrats, wohl aber von einigen evangelischen Einwohnern der Neustadt wurden diesem Institute allerlei Hindernisse in den Weg gelegt, indem sie behaupteten, diese Anlage stünde dem Westphälischen Frieden und dem darin bestimmten Normaljahr entgegen.

Trivialschule im Hückethal

Unweit des Domplatzes, im Hückethal war noch eine Mädchenschule vorhanden. Sie verdankte den Jesuiten ihre Entstehung. Das Domkapitel und der Domprobst Arnold v. Hoensbroek erwarben auf das Betreiben des Jesuitenordens ein Haus für diese Schule. Sie kauften von den Kommenden beim Domstift Georg Reier u. Walther a Vinea eine Wohnung mit einem Garten, welche Grundstücke zwischen ihren Diensthäusern lagen und zu ihren Kommenden gehörten. Der Handel kam am 8. November 1660 zu Stande. Die Verkäufer erhielten 56 Taler sofort und die Zusicherung eines jährlichen Erbenzinses von acht Talern vom Jahre 1678 angerechnet und dazu jährlich einen Taler für Messen. 

Der Jesuit Bernhard Huge richtete das Haus zu dem beabsichtigten Zwecke ein. Diese Einrichtung kostete 394 Taler 13 Mark und 4 Pfennige die man durch milde Gaben mühsam zusammenbrachte. Die Reparaturen ließ nachher das Domkapitel aus dem Fabrikregister bestreiten. 

Die Jesuiten, als Begründer der Schule erhielten das Patronat darüber. Sie setzten die Lehrerin an, erteilten die Lehrvorschriften und führten die Rechnung über die Einnahmen und Ausgaben des Instituts. Der jeweilige Rektor des Kollegiums nahm diese Rechte seines Ordens wahr.

Nach der im Jahre 1773 erfolgten Aushebung des Jesuitenordens übertrug der Fürstbischof am I I.11. 1774 seinem General- Vikariat die Aufsicht übe diese Schule. 

Die Einnahmen einer Schullehrerin sind Folgende:

 1. freie Wohnung 

 2. aus der Rezeptur des Amts Steuerwald seit den Zeiten des Fürstbischofs Jobst Edmund 27 Scheffel

     Roggen und seit der Regierung Friedrich Wilhelms 25 Taler jährlich 

 3. die Zinsen a) von einem Kapitale von 450 Taler, geschenkt von Christoph von Ranzow, auf Schmollen,

                             Ovelgönnen und Hopgarten;  

                        b) von 200 Talern, geschenkt von Elisabeth Helene von Klenke, Witwe des Oberstwacht-

                             meisters v. Schellhammer, gestorben den 20.1.1674; 

                       c) von zwei Kapitalen jedes zu 200 Taler vormals beim Weinamtes des Domkapitels belegt; 

                       d) von einem Kapital von 100 Taler 

 4. die Schulgelder von den Schülerinnen zu einem guten Groschen wöchentlich für den Kopf. 

 

Seit der Errichtung der Schule standen zehn Lehrerinnen an der Schule in Diensten. Die Namen der Lehrerinnen sind folgende: 

Marie u Elisabeth Kemnitz, Schwestern, 1663-1667; 

Gertrud Hollich und Klara Wickebe, 1689-1696; 

R. R. Kreckenberg aus Paderborn, 1699 abgesetzt; 

Marie Christine Künnecke, 1706-1753; 

Marie Louise Lübeck, 1753 1772; 

Marie Josephe Richter, gest. 1773; 

Marie Josephe Nüsse gest. 1774; 

Marie Magdalene Meier, 1774-1799; 

Marie Kathrin Schackier, seit Ostern 1800. 

 

Es wurde dieser Schule nachgerühmt, daß die Lehrerinnen in den gewöhnlichen weiblichen Handarbeiten sehr guten Unterricht erteilten. Bis zur Errichtung der sogenannten Töchterschulen war dies Institut das Einzige, welches katholische Familienväter für den Unterricht ihrer Töchter benutzen konnten.

Unter der königl. Preußischen Regierung wurde das Haus der Schule erweitert, indem man noch ein Haus eines Kommenden am Dom hinzuzog und den Besitzer mit einem Mietäquivalente von 25 Talern entschädigte.

(Im Original übernommen)

Text-Quelle:

- Literatur

- Webseite

 

Zeppenfeldt, Beiträge zur Hildesheimer Geschichte; Gerstenbergische Buchdruckerei, 1830,  Band 3, Seite 65ff