Die Landwehr


[1] Um die Mitte des 15. Jahrhunderts war die Stadt Hildesheim selbst mit einem guten Befestigungswerk wohl verwahrt; größtenteils mit doppelten Gräben, Stadtmauern nebst Türmen und Palisaden im Glacis.

Dazu trat eine Außenwehr, die sogenannte Landwehr, die 1398 am Butterborn erwähnt, 1421 nach Osten bis zur Ortsschlumpquelle fortgesetzt wird. 1428 folgt eine weitere Hinausschiebung der Wehrgräben und Türme, die sich vom Bruchgraben (brok) über Borsum, Hönnersum, Bettmar, Dingelbe und Nettlingen und über Uppen über den Knebel bis Itzum ausdehnte und so den Norden, Osten und Süden der Stadt deckte.

(5) Zur Zeit der zahlreichen mittelalterlichen Kriege und Fehden zwischen Kaiser, Fürsten und Städte entstanden zur Abwehr feindlicher Angreifer auch äußere Verteidigungsanlagen der Städte.

Diese ersten Wehrlinien entstanden meistens in der Entfernung von ca. 1 Stunde vor den Toren der Stadt. Gräben, mit kleinen wallartigen Aufwürfen versehen und mit Holz bepflanzt, bildeten diese äußeren Verteidigungslinien, deren Durchgänge mit Türmen, Schlagbäumen, Wachthäusern und Wohnungen für Türmer und Fußknechte versehen waren.

Türme, Warten, Pässe hießen diese befestigten Durchgänge der Wehren oder Landwehren. Von den nächstliegenden Ortschaften, Bergen oder Holzungen führten sie meistens den Namen.

In Friedenszeiten war den kleinen Besatzungen, oft auf den Türmen allein die Beobachtung der Umgebung übertragen. Verdächtige Bewegungen mußten schnell in der Stadt gemeldet und die Tore des Passes oder Turms verschlossen werden, bis von dort Entscheidung über die zu treffenden Maßnahmen eintraf.

In Friedenszeiten dienten die Anlagen zur Verteidigung wie zum Angriff.  

Auch Hildesheim schützte sich durch solche Anlagen. Eine solche Landwehr fing beim Dorfe Itzum an, zog sich bis nach Bründeln im Amte Peine und umgibt die Stadt in der Ost- und zum Teil in der Nordseite. Die befestigten Durchgänge, vormals Türme, waren zu Itzum, Uppen, Bettmar und in der Gegend von Borsum. Daher die Namen „Itzumer Pass“, „Uppener Pass“ und „Borsumer Pass“. In früheren Zeiten war der Name des Turms gebräuchlicher.

Auffallend ist es, das wir bloß in der Nord- und Ostseite diese Vorrichtungen antrefen; indessen finden sich geschichtliche Spuren von einer Warte auf dem Steinberg und einer Landwehr bei Himmelstür.

Im Jahre 1485 waren die Türme (Pässe) zu Uppen, Bettmar und Itzum völlig in Stande und zu ersterem gehörten noch zwei Warten auf dem Knebel und dem Galgenberg.

Die Fehde mit Bischof Berthold II. (Große Fehde 1484) machte aber allen dieser Anlagen ein Ende. Die Türme an den angeführten Orten ließ Berthold mit seinem Bundesgenossen, dem Herzog Heinrich d.Ä. von Braunschweig, abbrennen, die Warten aber der Erde gleich machen. Galgen und Räder auf dem Galgenberg wurden ebenfalls niedergelegt. Auch wenn die Pässe und das Hochgericht später wieder hergestellt wurden, so blieben die Warten doch in ihrem Schutt liegen. 

(W) Mit Landwehr, Landgraben und Landhege werden vorneuzeitliche Grenzmarkierungs- bzw. Grenzsicherungssysteme bezeichnet. Sie werden zumeist ins Hoch- und Spätmittelalter datiert und besitzen in Einzelfällen Längen von über hundert Kilometer. Solche Anlagen werden jedoch bereits seit der Antike erwähnt, auch der römische Limes ist eine frühe Spielart einer Landwehr.

Mittelalterliche Landwehren besaßen in der Regel eines oder eine Kombination von mehreren der folgenden Elemente:

  • ein oder mehrere parallele Erdwälle
  • Gräben vor, zwischen und hinter den Erdwällen, die je nach Lage zeitweise auch mit Wasser gefüllt waren. Der Wall entstand in der Regel aus dem Erdaushub der Gräben.
  • ein oder mehrere undurchdringliche Gehölzstreifen aus untereinander verflochtenen Hainbuchen (dem "Gebück") und unterpflanzten Dornensträuchern (dem "Gedörn")
  • Warttürme, Schanzen, Schlagbäume und Haspel an Straßendurchgängen

Diese Landwehren sind in manchen Regionen, dort vor allem in Waldgebieten, noch erhalten und zum Teil als Bodendenkmal geschützt.

 

Text-Quelle:

- Literatur                [1] A. Zeller: Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover; Band 2, Kapitel 4; Selbstverlag, Hannover 1912; Seite 15

                                  [5] Zepenfeldt, "Beiträge zur Hildesheimer Geschichte “; Gerstenberg-Verlag Hildesheim; 1830, Band 3 Seite 291ff 

- Webseite                [W] http://de.wikipedia.org/wiki/Landwehr

Warttürme, Warten

Warte auf dem Galgenberg

Eine Warte auf dem Galgenberg wurde vor 1379 von der Stadt Hildesheim errichtet und wurde 1485 zerstört. Sie stand in Verbindung mit der nicht weit davon entlang ziehenden alten Landwehr.

Auf der Warte saß regelmäßig ein Wartmann, dem in gefährlichen Zeiten einige Knechte beigegeben wurden. Bei der Zerstörung der Warte wurde deren gesamte Besatzung gefangengenommen.

Text-Quelle:

- Literatur   Otto Gerland: Was uns der Galgenberg erzählt, Alt-Hildesheim, Westermann 1920, Braunschweig, Heft 3, S. 15

 



Zurück → Die Stadtbefestigungen