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Die Domschenke


Geschichte

[1] Nachdem die domstiftischen Keller unter dem nördlichen Kreuzgange schon 1642 bedeutend erweitert worden waren, beschloss das Kapitel, den Bau einer eigenen Weinschenke, welches neben massiven Kellerräumen drei Geschosse, Wirtsstube im Erdgeschoß, einen Saal im Obergeschoß und die Wohnung des Weinschenken enthalten sollte.

1571 wurde der Bau begonnen und 1572 vollendet. Brandis erwähnt dieses Jahr in seinem Tagebuch zum 23. Oktober.

Über den Betrieb dieser Weinschenke sind in den domstiftischen Protokollen zahlreiche Nachrichten, welche Dr. Krätz zusammengestellt hat. Interessant darunter die früheste Aufstellung eines Billard Anfang der zwanziger jahre des 17. Jahrhunderts, eines damals aus Italien sich einbürgernden Spieles. Der ehemalige sogenannte Billardsaal nach dem Domhofe zu ist seit 1776 in zwei Gastzimmer umgebaut. Ein Inventar des Baues, namentlich der Wirtschaftsausstattung, wird 1726 erwähnt. 1810 ging die Domschenke durch Kauf an den früheren Domkellner Freiherrn von Kettler, später an seinen Mitkäufer, Kellermeister Kirn allein über.

Einige Notizen über die ehemalige innere Ausstattung sind nicht ohne Interesse.

Als Mobiliar dienten lange Tische mit wollenen Decken, geziert durch eingewirkte seidene Blumen. Eiserne Unteröfen mit Kachelaufsätzen erwärmten die Räume. Ein Gemälde, darstellend den Bacchus, den Gott des Weins, ließ der Domdechant Heinrich Friedrich J. G. Freiherr von Loe wahrscheinlich 1745 durch den bekannten Hofmaler J. G. Winckh restaurieren. Der Saal enthielt Krone und Wandleuchter; die Fenster der Westseite waren um 1666 mit Glasmalereien in drei Reihen übereinander geschmückt; zu oberst mit den Wappen der hl. Jungfrau, des hl. Römischen Reiches, des römischen Kaisers, des Königs v. Böhmen, der Stifter Hildesheim, Mainz, Köln Trier, den Wappen von Kurpfalz, Kursachsen, Kurbrandenburg und denen der Grafschaften Winzenburg, Peine, Dassel, Wohldenberg, Poppenburg und Schladen sowie der Altstadt Hildesheim; ferner den Wappen derer von Schwicheldt, Erbmarschall, von Cramm, Erbschenk, von Oldershausen, Erbküchenmeister.

Von adeligen Wappen waren in der mittleren Reihe: v. Steinberg, v. Veltheim, v. Beringerod, v. Wrisberg, v. Bortfeld, v. Oberg, v. Rheden, v. Bock von Nordholz, v. Stockheim, v. Rössing, v. Bothmer, v. Hauß, v. Münchhausen, v. Holle, v. Hardenberg, v. Rautenberg und v. Rauschenplaten.

In der unteren Reihe: Wappen der Neustadt Hildesheim, Alfeld, das der v. Alten, v. Rheden, v. Rhüden, v. Wenden, v. Barner, v. Wetberg, dann das von den Städten Sarstedt, Dassel und Gronau.

Leider ließ der Bauverwalter Schuppe 1763 diese prächtigen Stücke durch Spiegelscheiben ersetzen. 1758 hatte der damalige Pächter Holsch auf den Anbau, in dem die Vikare zusammenkamen, noch ein Stockwerk aufsetzen lassen; die Freitreppe zum Hückedahl wurde 1742 erneuert. Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts wurde der obere Stock, welcher die beschriebenen zwei Säle Erhalt, zu Wohnungen umgebaut.

Beschreibung

[1] Die Domschenke (Bild oben), Domhof Nr. 2 (früher Nr. 1221) mit dem Stiftswappen und der Jahreszahl 1571 (Bild rechts), bildet mit dem gegenüberliegenden „goldenen Engel“ eine prachtvolle Baugruppe. Über dem massiven Untergeschoß erhebt sich ein stattliches Zwischengeschoss, darüber mit Rollwerkkonsolen auskragend das Obergeschoß, bekrönt von einem zweigeschossigen ebenfalls auskragenden Giebelbau.

In den Einzelheiten ist der Bau schmucklos, aus glatten Hölzern. Die Wirkung wird lediglich erreicht durch die außerordentlich geschickte Anordnung des Giebels nach der Straße, dem reizenden Anbau eines kleinen Seitenflügels mit niedrigen Geschossen und die hohe, aus dem Hückedahl durch eine Freitreppe zugängliche Lage des Erdgeschosses. Der Bau sitzt mit seiner Nordseite wohl auf Resten der alten Bernwardmauer.

Im Innern deutet eine gedrehte barocke Säule in der wohl im 19. Jahrhundert umgebauten einfachen Diele auf die früher imposantere Ausschmückung der stattlichen Halle.

Auf der Westseite liegt in der Ecke des Kreuzganges die Schenke der Domherren (Vikarien), ein zweifenstriger Raum mit der Maria in der Glorie im Sturz (ähnlich wie an der ehemaligen Pfaffenbäckerei siehe: Kurie v. Kirsberg) und Inschrift: ANNO 1571.

Im Keller der Domschenke liegen mehrere Fässer mit geschnitzten Reliefs: mit dem hl. Johannes, Franziskus und Antonius und Jahreszahl 1757; die hl. Jungfrau mit dem Kinde, von Engeln umgeben; eine Schnitzerei das Schloss Johannisberg darstellend; auch Inschriften wie: Es lebe das hochwürdige Dom-Kapitel. Hattenheim gemacht auf dem Rhein. C. G. 1762 – Ferner Fässer von 1766, 1784 usw.

Von der ehemaligen Ausstattung der Innenräume der Domschenke hat sich wenig mehr in ursprünglicher Form erhalten, einige alte Ölbilder und Kupferstiche zieren noch die Gasträume, eine berühmte Uhr, welche ein volles Jahr lief, ist jetzt im Roemermuseum.

Text-Quelle: [1] A. Zeller: Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover; Band 2, Kapitel 4: Bürgerliche Bauten; Selbstverlag, Hannover 1912; Seite 127f

Bildquelle:   [1] A. Zeller: Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover; Band 2, Kapitel 4: Bürgerliche Bauten; Selbstverlag, Hannover 1912; nach Seite 128 + S. 129 

 

[ ] Als im Jahre 872, zur Regierungszeit Bischofs Altfrieds, der Neubau der Domkirche und der sich daran schließenden Bauwerke stattfand, wurde auch die „cella vinaris“, der Weinkeller, eingerichtet. Heute sind Reste der Domschenke im „Remter “ am Hückedahl noch zu sehen. Anfangs wurde aus ihm nur der Tischwein für die Domkapitularen gereicht. Doch in den folgenden Jahrhunderten gab man den Wein auch an andere Personen ab. Unter Bischof Otto II . wurde schon öffentlicher Weinhandel aus den Domkellereien betrieben.

In einem Dokument von 1346 wird einem Domherren das Recht, „Wein laufen zu lassen“, das heißt Handel mit Wein zu treiben, schriftlich verbürgt.

Schon bald nach der Errichtung durch die Domherren wurde die Weinschenke wegen der großen Resonanz bei den Bürgern dem Rat ein Dorn im Auge. Den Bürgern wurde ernstlich und unter Androhung von Strafen geboten, daß „nemant mere von den Domherren winkeller mochte win halen“ (daß niemand mehr von den Domherren Weinkeller Wein hohle). Jedoch ließen sich die Domherren solche Beschränkung ihrer Rechte nicht gefallen und bestanden darauf, daß ihnen höherenorts ihr Privileg auf neue bestätigt wurde. Nach langen Streitigkeiten - u.a. wurde dem Domkapitel die Einfuhr fremder Weine verwehrt und zum Verkauf nach außerhalb bestimmte Fässer hielten die Wächter am Ostertor fest - errichtete der Rat 1612 am Hohen Weg ihre Ratsweinschenke

Es wurde aus altem Prinzip her, mit wenigen Ausnahmen, rheinischer Wein ausgeschenkt. Anfänglich wurde der Wein nur in den Kellerräumen selbst ausgeschenkt, später jedoch, im 16. Jahrhundert, als sich die Zahl der Gäste vergrößerte, wurde eine besondere Weinstube  eingerichtet.

Auf Anordnung des Königs Jerome wurde im Juni 1812 die Domherrenschenke geschlossen und dem Domkapitel enteignet. Als Käufer traten die letzten Domkellner, der Kammerpräsident Freiherr von Kettler und der damalige Kellermeister Kirn auf, die die Schenke mitsamt dem Lager für bare 13.000 Taler erstanden. Das so in Privatbesitz übergegangene Gebäude wurde später von Ferdinand Kirn allein bewirtschaftet.

1945 bei der Bombardierung Hildesheims durch alliierte Bomber zerstört. 

(Im Original übernommen)

Ansichtskarten

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Privatbesitz H.-J. Brand




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